Am 17. September 1944 begann die Operation Market Garden. Die Alliierten landeten bei Eindhoven, Groesbeek und Arnheim. Von Millingen aus sah man die Fallschirmjäger und Segelflugzeuge bei Groesbeek niedergehen. Den ganzen Monat über war es im Luftraum über Millingen geschäftig mit alliierten und deutschen Flugzeugen. Es gab viele Luftkämpfe über Millingen zu sehen. Viele Menschen fanden es schön, dabei zuzusehen, und abends konnte man auch die Leuchtspur der Kugeln sehen. Die Alliierten drangen immer weiter in die Ooijpolder vor. Bald kam in Millingen die Nachricht an, dass die Alliierten in Erlecom seien. In Millingen äußerte man die Hoffnung, dass man in ein paar Tagen von den Alliierten befreit würde, aber diese Hoffnung schwand schnell, als die Alliierten nicht weiter in die Ooijpolder vorrückten, wodurch Millingen plötzlich nahe an der Front lag. In den Tagen nach Market Garden gab es in Millingen viele deutsche Aktivitäten im Dorf. Jeden Tag schossen die Deutschen aus Millingen mit Kanonen in Richtung Erlecom, woraufhin die Amerikaner zurück in Richtung Millingen feuerten. Da es auch am Abend immer gefährlicher wurde, mussten die Menschen Luftschutzkeller in ihrem eigenen Garten anlegen. Die Werft stellte dafür Stahlplatten zur Verfügung. Von den Deutschen kam der Befehl, dass jeder mindestens ein Einmannloch bei seinem Haus haben musste. Millingen geriet immer mehr unter Artilleriebeschuss der Alliierten, wodurch viele Häuser zerstört oder beschädigt wurden. Am 1. Oktober 1944 erhielt ein Haus in Klein Amerika einen Volltreffer. Die Granate kam durch das Küchenfenster herein. Wilhelmus Koppers, Anna Wanders und Helena Everdina wurden von den Nachbarn schwer verletzt gefunden. Ein paar Stunden später erlagen alle drei ihren Verletzungen. Die Deutschen führten von Millingen aus fast jeden Tag einen Angriff auf Erlecom/Leuth durch. Sie zogen dann oft in Gruppen von 50 Soldaten los, und oft kehrten 70 % nicht nach Millingen zurück. Das Rote Kreuz war damit beschäftigt, Verwundete zu transportieren. Deshalb hatten sie das Gasthaus (St. Jan de Deo) zur Aufnahme von Verwundeten eingerichtet.

Der Tag der Evakuierung.
Am 18. Oktober 1944 gaben die Deutschen den Befehl, Millingen innerhalb von 48 Stunden zu verlassen. Wer nicht innerhalb von 48 Stunden weg war, wurde von den Deutschen „unterstützt“. Die Deutschen hängten im Dorf die Nachricht auf, dass jeder innerhalb von 48 Stunden weg sein musste, und verschiedene NSB-Mitglieder gingen von Tür zu Tür, um die Nachricht zu überbringen. Viele Menschen in Millingen begannen, die Sachen zu packen, die sie mitnehmen konnten, und was wertvoll war, vergruben die meisten Leute im Garten oder legten es unter den Fußboden in ihrem Haus.
Am 20. Oktober 1944 war der Tag gekommen, an dem alle Millingen verlassen mussten. Die meisten Menschen hatten beschlossen, erst am letzten Tag abzureisen. Menschen, die mit Pferd und Wagen reisten, durften von den Deutschen bei der Fähre bei Emmerich (wo sich jetzt etwa die Brücke von Emmerich befindet) überqueren. Der Rest musste mit der Fußgängerfähre bei Millingen über den Rhein. Millingen hatte 3 Fährstellen: eine ganz an der Grenze bei Bimmen, eine Fähre, wo jetzt die Fähre „Kievits“ ist, und dann noch eine bei etwa der Molenkolk, die Fußgängerfähre Van Wijck. Die Fähre an der Grenze war am stärksten frequentiert, da sie am nächsten bei Lobith lag. Alles ging noch mit Ruderbooten, in die nicht viele Menschen passten, mit dem Ergebnis, dass die Menschen manchmal stundenlang warten mussten, bis sie mit der Fähre auf die andere Seite kamen. Die meisten Millinger gingen in Richtung Achterhoek und einige noch weiter, in Richtung Friesland oder Groningen.
Evakuierung des Gasthauses St. Jan de Deo.
In Millingen waren keine Zivilisten mehr zu sehen, nur noch deutsche Soldaten und ein paar Millinger Jungen, die von den Deutschen bleiben durften, um das Vieh zu versorgen. Drei Wochen nach der Evakuierung, am 12. November 1944, kam der Befehl der Deutschen, dass nun auch das Gasthaus mit den 200 Kranken und älteren Menschen evakuiert werden musste. Die Deutschen organisierten die Evakuierung selbst. Um 07:00 Uhr standen die ersten Lastwagen und Rotkreuzwagen der Deutschen vor der Tür. Den ganzen Tag wurde hart gearbeitet, um alle wegzubringen. Die Lastwagen und Rotkreuzwagen fuhren bei der Fähre bei Emmerich über den Rhein in Richtung Harreveld. Gegen 16:00 Uhr fuhren die letzten Wagen in Richtung Emmerich. Erst am 20. November verließ das Personal des Gasthauses den Ort.

Quellen: Privatarchiv von Siem van der Kolk.
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