Deutsche Soldaten rund um Millingen von 1939 bis 1945

Deutsche Soldaten versammeln sich rund um Millingen im Jahr 1939.

Um 1938/1939 rückten die deutschen Truppen immer mehr in die Grenzdörfer vor. Eine der Einheiten, die an der Grenze bei Millingen stationiert war, war die 4. Kompanie des MG-Bataillons 9, zugeteilt dem 484. Infanterie-Regiment der 254. Infanterie-Division. Diese Einheit kam Anfang Februar 1940 in Keeken an. Sie wurden dort in Häusern einquartiert, weil ein großes Zeltlager bei den Niederländern Argwohn erweckt hätte. Wahrscheinlich führten sie Vorerkundungen in Millingen durch, um zu sehen, wie die Lage war. In ihrer Freizeit überschritten sie oft die Grenze nach Millingen, um mit der Bevölkerung in Millingen ein Gespräch zu führen. Am 17. Februar 1940 erhielt die 4/9 des 484. Infanterie-Regiments den Befehl, dass niemand mehr die Grenze überschreiten durfte. Wenn sie sich der Grenze näherten, mussten sie einen Abstand von 500 Metern halten, und Militärfahrzeuge mussten entweder mit gedämpften Scheinwerfern oder ganz ohne Licht fahren.

Am 10. Mai 1940 zog die 4/9 des 484. Infanterie-Regiments der 254. Infanterie-Division von Keeken in Richtung Millingen ab. Sie besetzten bereits wichtige Gebäude in Millingen und zogen dann direkt weiter zur Waalbrücke bei Nimwegen, denn das war ihr Hauptziel für den Einmarsch. An diesem Tag sind mehrere Regimenter durch Millingen gezogen. Eine Gruppe Deutscher ging direkt zum Deich, um auf Fort Pannerden zu schießen, und führte einen Überraschungsangriff auf die Hr. Ms. Braga durch, ein niederländisches Kanonenboot, das auf dem Rhein fuhr. Am 10. und 11. Mai waren die Deutschen von Millingen aus damit beschäftigt, das Fort zu beobachten, und beschossen es bei Bedarf.

Das Besatzungsheer in Millingen.

Kurz nach dem deutschen Einmarsch kam ein Besatzungsheer nach Millingen. Es bestand vor allem aus Männern zwischen 40 und 65 Jahren. In der Zeit von 1940 bis Anfang 1944 waren nicht so viele deutsche Soldaten in Millingen. In dieser Zeit waren es in Millingen etwa zwischen 100 und 200 Soldaten. Diese Soldaten wohnten bei Bauern in der Scheune oder in Cafés. Einige dieser Soldaten halfen auf dem Land mit, da sie, bevor sie zwangsweise ins Heer mussten, selbst Bauern in Deutschland gewesen waren. Die Soldaten verhielten sich ruhig, und die Bevölkerung von Millingen hatte keinen Ärger mit ihnen. In Millingen gab es allerdings ein paar fanatische Offiziere, vor denen man sich in Acht nehmen musste. Einige dieser Offiziere hatten noch kein Eisernes Kreuz (deutsche Militärauszeichnung).

Um 1941 begannen die Alliierten, Deutschland zu bombardieren. Die Alliierten nutzten nachts die Niederlande als Orientierungspunkt, weshalb die Deutschen bald den Befehl gaben, die Fenster zu verdunkeln, damit die Alliierten nicht wussten, wo sie flogen. Diesen Befehl gaben die Deutschen auch an alle in Millingen. Jeden Abend wurde man von örtlichen NSB-Mitgliedern kontrolliert, ob man dies richtig gemacht hatte, denn es durfte kein Lichtstrahl nach draußen dringen. Um diese Zeit wurde bei der Hoefseweg in Millingen FLAK (Flugabwehr) mit großen Suchscheinwerfern aufgestellt. Die Munition wurde mit Lastwagen aus Emmerich geholt und oft bei Bauern in der Scheune gelagert.

Die Deutschen hatten in Millingen auch einen Schießstand im Deich angelegt (ungefähr dort, wo sich jetzt der Karnevalsverein befindet). Am Ende des Schießstandes stand eine Zielscheibe, auf die geschossen werden musste, und hinter der Zielscheibe stand jemand mit einem Zeigestock, der anzeigte, ob der Schuss getroffen hatte. In Millingen gab es mehrere Exerzierplätze, zum Beispiel an der Zeelandsestraat. Die Deutschen übten jede Woche auf dem Schießstand. Sie marschierten dann von ihrer Unterkunft durch Millingen zum Schießstand. Beim Marschieren sangen sie Kriegslieder. Oft sangen sie: Wir fahren gegen England. Es zog immer viele Zuschauer an, wenn sie in Millingen marschierten. “Wir liefen mit etwa 20 Jungen aus der Gegend hinter den deutschen Soldaten her und sangen mit ihnen. Von den deutschen Soldaten bekamen wir auch immer Süßigkeiten, und das Schönste war immer, wenn wir mit zum Schießstand laufen durften und zusahen, wie sie schossen. Schon früh im Krieg bemerkten wir, dass die Qualität der Waffen und Munition nachließ, aber ja, für den Schießstand verstehe ich, dass sie keine hochwertigen Waffen und Munition benutzten. Wenn sie fertig waren mit dem Schießen, durften wir die Hülsen aufsammeln, und das war für uns großartig. Einmal in der Woche war immer ein strenger Offizier dabei, der uns sofort verjagte.“ Auf dem Luftbild sieht man den Schießstand.

In Millingen gab es etliche deutsche Soldaten, die nichts taten. Das Einzige, was sie machten, war, mit der Bevölkerung von Millingen zu sprechen und Kaffee zu trinken. Einer dieser Soldaten hatte den Spitznamen Mäler. „Er kam jeden Tag zu uns, um Kaffee zu trinken. In ihm steckte überhaupt nichts Böses. Wenn er etwas von seiner Frau zugeschickt bekam, teilte er es mit uns, um uns eine Freude zu machen.“

Am 15. März 1944 kamen neue deutsche Truppen nach Millingen. Sie requirierten sofort verschiedene Gebäude in Millingen: Pensionaat (JMJ), die Mädchenschule, Schuttersgebouw O.E.V. 1, Kunstkring, und die Jungenschule wurde zur Hälfte beschlagnahmt. Dadurch mussten die Jungen halbtags Unterricht haben, da die Mädchen nun auch im Gebäude unterrichtet wurden.

Am 17. September 1944 begann die Operation Market Garden. Unter den deutschen Soldaten brach Panik aus. Viele flohen zurück nach Deutschland. Diese Soldaten kamen auch durch Millingen. Sie warfen ihre Waffen weg und gingen bei Bimmen über die Grenze. Es gab auch deutsche Soldaten, die mit der Fähre von Van Wijck auf die andere Seite gebracht wurden. Sie warfen ihre Waffen in den Rhein. Plötzlich waren keine deutschen Soldaten mehr in Millingen zu sehen, aber das dauerte nur kurz. Bald kamen deutsche Militärfahrzeuge aus Deutschland nach Millingen gefahren. Die Soldaten stiegen aus und begannen sofort, Maschinengewehre aufzustellen. Viele deutsche Fahrzeuge mit Mannschaften und Geschützen fuhren durch Millingen. Am 29. September fuhren Dutzende schwere Fahrzeuge durch Millingen in Richtung Front (Leuth/Erlecom). Bald kam der Befehl der Deutschen an die Bevölkerung von Millingen, dass jeder mindestens ein Einmannloch bei seinem Haus graben musste. „Millingen wurde von den Alliierten beschossen, und ich sah einen deutschen Soldaten auf dem Fahrrad sitzen. Er wusste nicht, wie er in ein Einmannloch kommen sollte. Er fuhr direkt in das Loch hinein und landete kopfüber, mit dem Fahrrad auf ihm. Ich sagte zu meinem Nachbarsjungen: Sollen wir ihm helfen? Der Nachbarsjunge sagte: Nein, wir lassen ihn schön so liegen.“ Die Deutschen stellten in Millingen schnell Artillerie auf, an der Zeelandsestraat und Zeelandsestraat/Spaldropweg. Außerdem wurden Soldaten in Häusern in Millingen einquartiert.

Deutsche Soldaten, die um Nimwegen gekämpft hatten, kamen nach Millingen, um sich auszuruhen. Bald kamen auch verwundete Soldaten nach Millingen, die vom Roten Kreuz versorgt wurden. Die Deutschen zogen jeden Tag in Gruppen von 50 Soldaten in Richtung Leuth – oft kehrten 70 % nicht mehr nach Millingen zurück.

Ende September/Anfang Oktober stürzten zwei deutsche Jäger in Millingen ab. Ein Jäger stürzte bei der Crumpsestraat ab: „Ich sehe den deutschen Jäger von Nimwegen nach Millingen fliegen. Sein Kühlmittel war bei einem Luftkampf getroffen worden. Er machte eine Notlandung auf der Wiese. Eine Wiese weiter stand das Haus an der Crumpsestraat 28. Der deutsche Pilot stieg unverletzt aus dem Flugzeug und begann sofort zu schimpfen. Der Pilot wurde mit einem deutschen Lastwagen abgeholt, und das Flugzeug wurde einen Tag später entfernt.“ Über den anderen deutschen Jäger, der in Millingen abgestürzt ist, wird noch geforscht (weitere Informationen folgen bald).

Anfang Oktober befanden sich verschiedene deutsche Einheiten in Millingen: das 3. Bataillon des 1052. Regiments, 84. Division mit etwa 400 Mann; das 304. Regiment, 84. Division mit etwa 564 Mann und 8 Offizieren; und das 3. Bataillon des 1307. Artillerie-Regiments mit etwa 150 Mann. Das 3. Bataillon des 1307. Artillerie-Regiments hatte verschiedene neue Kanonen an der Zeelandsestraat aufgestellt.

Die Tage um den 12. Oktober waren die reinste Hölle. Ein deutscher Soldat, der in Millingen stationiert war, schrieb damals einen Brief an seine Familie:

“Liebes Frauchen, Herzliche Grüsze aus Holland sendet Dir deiner Willi. Am heutigen Donnerstagabend sitze ich hier am Schreibtisch und schreibe diese Zeilen an mein liebes Daheim. Hier ist noch alles beim Alten nur der Tommy ist ziemlich fleiszig mit schweren Brocken. Die Flieger sausen hier herum wie Bienenschwärme. Du müstest mal Kleve sehen. So etwas ist mir noch nie vor Augen gekommen. Die Stadt ist volkommen umgepflügt, es steht kein Mauer höher wie 3-4 M. So etwas war noch nie da. Ich liege direkt am Rhein in Millingen, das ist links Rheinisch auf Holländischem Gebiet und etwa 14 KM von Kleve entfernt.“

Am 18. Oktober 1944 gaben die Deutschen der Bevölkerung von Millingen den Befehl, innerhalb von 48 Stunden Millingen zu verlassen. Menschen, die Pferd und Wagen hatten, durften mit der Fähre bei Emmerich übersetzen.

In den Monaten von September bis Ende Januar kamen in Millingen verschiedene deutsche Soldaten durch Granatsplitter ums Leben. Das war vor allem an der Zeelandsestraat. Die gefallenen Soldaten wurden in Bimmen begraben, wo ein provisorischer Friedhof angelegt worden war.

Dezember 1944.

Das 2. Bataillon des 1052. Regiments, 84. Division kam mit etwa 450 neuen Soldaten nach Millingen. Ende des Monats kam auch die Kriegsmarine zur Werft nach Millingen.

Im Januar 1945 kamen zwischen 600 und 700 junge Soldaten nach Millingen. Davon gingen 150 zur Ziegelei Klaverland. Dort hatten die Deutschen Mörserstellungen. Im Februar durchstachen die Deutschen den Deich bei Erlecom, wodurch Wasser in den Ooijpolder strömte. Ende Januar zogen die Deutschen langsam aus Millingen ab. Es blieben nur noch eine Handvoll deutscher Soldaten in Millingen, die später am 9. Februar von den Kanadiern gefangen genommen wurden.

Nach dem Krieg gab es rund um Millingen drei deutsche Feldgräber. Es gab zwei Feldgräber an der Kekerdomseweg (Spaldropeweg) und ein Feldgrab bei der Ziegelei Klaverland. In der Zeit von Oktober 1944 bis Anfang Januar 1945 legten deutsche Soldaten Minenfelder in Millingen an. Nach dem Krieg wurden deutsche Kriegsgefangene eingesetzt, um diese Minenfelder zu räumen. Dabei gab es etwa vier Verwundete und einen Toten.

Anmerkungen:
1: A. CH. Jeurissen, Geschichte von Millingen aan de Rijn.
Quellen: Bundesarchiv Freiburg; Groesbeek Airborne Vrienden; Privatarchiv Siem van der Kolk

Plaats een reactie

Plaats een reactie