Der Wiederaufbau in Millingen.

Mitte April kehrten die ersten Millinger langsam wieder nach Millingen zurück. Während der Reise nach Millingen wussten viele Menschen nicht, in welchem Zustand sie ihr Dorf oder ihr Haus vorfinden würden. Bald stellte sich heraus, dass die Zerstörung unbeschreiblich war. Viele Häuser waren kaputt, und einige Häuser hatten Volltreffer erhalten. Viele Häuser in Millingen waren mit Sprengfallen versehen. Man musste gut aufpassen, dass man nicht einfach irgendwo hintrat oder plötzlich eine Tür aufriss. Viele Häuser waren von den Deutschen und Kanadiern leergeräumt worden, wodurch die Sachen, die die Leute zurückgelassen hatten, alle verschwunden waren. Manche hatten vor der Evakuierung Sachen im Garten vergraben, aber durch das Hochwasser trieben diese wieder nach oben. Die Tiere waren vor der Evakuierung alle freigelassen worden, und viele waren durch das Hochwasser ertrunken. In Millingen lag dementsprechend kein angenehmer Geruch in der Luft. In vielen Kellern stand das Wasser noch hoch. Alle Häuser in Millingen hatten keine Fenster mehr, bedingt durch die Beschießungen und das Hochwasser. Bald kam nach Millingen die Hilfsaktion Rote Kreuz (HARK) mit Hilfsgütern. Sie brachten beispielsweise grundlegende Dinge wie Tische und Stühle. Die Werft hatte vor der Evakuierung Stahlplatten verliehen, um Luftschutzkeller zu bauen. Diese mussten nun wieder bei der Werft abgegeben werden. Die Steine des Kirchturms und des Pensionats (JMJ) wurden für den Wiederaufbau wiederverwendet. Im Patronat St. Jozef, Sobiëtas, blieben die letzten Soldaten, die beim Wiederaufbau des Dorfes und der Werft halfen. 

Der Kirchturm war im Krieg schwer beschädigt worden durch eine Granate. Wann genau der Kirchturm getroffen wurde, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich wurde der Kirchturm Anfang April getroffen, weil zu dieser Zeit am anderen Rheinufer die Operation Destroyer im Gange war. Artilleriekanonen, die in Berg en Dal aufgestellt waren, schossen auf die andere Rheinseite. Wahrscheinlich hatte ein Blindgänger den Kirchturm damals getroffen. Der Schaden am Turm war groß. Der Wiederaufbau ging langsam. Erst 1955 war der Turm wiederhergestellt, jedoch nicht im ursprünglichen Zustand.

Opfer nach dem Krieg.

Als die Millinger nach der Evakuierung wieder nach Millingen zurückkamen, fanden sie viel Munition vor, die von den Deutschen und Kanadiern zurückgelassen worden war. Es gab auch Minenfelder und Sprengfallen in Millingen. Man musste deshalb in der Mitte der Straße gehen, weil das am sichersten war. Bald wurden die Minenfelder von deutschen Kriegsgefangenen geräumt. Diese mussten mit einem Stock in den Boden stechen, um zu prüfen, ob dort eine Mine lag. Dabei gab es auch Verletzte. Manchmal hatten sie eine Mine übersehen, und diese wurde erst einige Jahre nach dem Krieg gefunden.

Viele Jungen spielten nach dem Krieg mit Waffen und Munition. Es gab mehrere Vorfälle in Millingen, bei denen Personen Granaten oder Mörser in der Werkbank einklemmten, versuchten sie zu demontieren und sie dann plötzlich explodierten.

Befreiungsfest.

Befreiungsfeiern wurden am 20., 21. und 22. Oktober 1945 organisiert. Das war genau ein Jahr nach der Evakuierung. An diesen Tagen wurde die Befreiung in Millingen ausgiebig gefeiert. Das Programm war mit viel Musik vorbereitet. Die Feiernden konnten im Gebäude von O.E.V., O.E.V.1 und im Café Verkerk zusammenkommen. Am 20. Oktober wurde nach der heiligen Messe ein Kranz auf die Gräber der alliierten Flieger gelegt, die in der Nacht vom 9. auf den 10. Januar 1941 in Millingen abgestürzt waren. Am Nachmittag gab es einen Umzug durch das Dorf. Am nächsten Tag wurde das Programm mit einem Fußballspiel fortgesetzt. Am letzten Tag wurden die Opfer geehrt, die während der Evakuierung ums Leben gekommen waren, und am Nachmittag wurden Spiele mit den Kindern veranstaltet.

Quellen: Thea de Roos-van Rooden und Privatarchiv Siem van der Kolk.

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