Das Abschießen der (B-17) Fortress II am 7. Oktober 1944

⚠️Die hier angegebenen Zeiten sind die Besatzungszeiten und somit eine Stunde später als in England. ⚠️

Die erste Sichtung
Gegen 15:15 Uhr beobachtet Hermann Kirst, ein in Het Leuven (Groessen) südwestlich von Zevenaar stationierter deutscher Soldat, wie ein schwer beschädigter amerikanischer Bomber vom Typ B-17 „Flying Fortress II“ aus dem Norden heranfliegt. Drei der vier Motoren stehen still; nur der äußere linke Motor läuft noch mühsam. Die Maschine fliegt niedrig. Kirst hört in der Ferne das Donnern der Flakgeschütze und sieht, wie der Bomber langsam in Richtung Millingen am Rhein abdriftet.

Das erste Feuer
Gegen 15:20 Uhr eröffnen die Flakbatterien der Flakabteilung 572 (b-mot) mit ihren schweren 8,8 cm-Geschützen das Feuer. Innerhalb weniger Sekunden füllt sich der Himmel mit Leuchtspuren der Granaten. Laut dem Bericht des Batteriekommandanten werden 36 Granaten bis zu einer Höhe von etwa 1300 Metern abgefeuert. Die ersten Treffer lassen nicht lange auf sich warten: Der äußere linke Motor wird getroffen, ebenso erleiden Rumpf und Tragflächen mehrere Einschläge.

Zur selben Zeit meldet auch die Flakabteilung 345, die mit 2cm-Kanonen ausgerüstet ist, Treffer auf denselben Bomber. Insgesamt feuern sie 886 Schuss ab. Ihr Bericht bestätigt, dass das Flugzeug nur noch einen funktionierenden Motor hatte und nach den Treffern langsam an Höhe verlor. Die Maschine macht eine scharfe Linkskurve  ein verzweifeltes Manöver des Piloten, um den Gleitflug des Flugzeugs zu stabilisieren.

Das entscheidende Feuergefecht
Inzwischen eröffnet auch die Flakabteilung 598 das Feuer. Ihre 2cm-Kanonen schleudern nicht weniger als 1.296 Schuss in Richtung der Fortress. Einer dieser Feuerstöße trifft erneut den Motor, der nun vollständig in Flammen aufgeht. Soldaten am Boden sehen, wie sich fünf Fallschirme öffnen  fünf Besatzungsmitglieder springen aus dem brennenden Wrack.

Trotz allem bleibt das Flugzeug noch einige Sekunden in der Luft wie ein verwundetes Tier, das sich weigert, zu Boden zu gehen. Dann folgt die letzte Linkskurve. Die B-17 verliert rasch an Höhe und stürzt um 15:23 Uhr etwa einen Kilometer nördlich der Kirche von Millingen in den Rhein. Wie viel Munition auf die Fortress II abgefeuert wurde, ist genau dokumentiert: 36 Schuss mit 8,8 cm und 3.014 Schuss mit 2 cm.

Schriftverkehr über ein abgeschossenes feindliches Flugzeug
In den Tagen nach dem Absturz wird das Ereignis in deutschen Berichten festgehalten. Das Flak-Regiment 20 stellt einen offiziellen Antrag auf Anerkennung des Abschusses. Darin werden alle beteiligten Einheiten aufgeführt:
• 1./572
• 4./572
• 6./345
• 6./598
• 2.4./SS-Flakabteilung 10

Das Regiment betont, dass das Flugzeug zweifellos durch ihr konzentriertes Feuer zum Absturz gebracht wurde. Die Berichte enthalten Stempel, Unterschriften und sogar handgezeichnete Karten, die den Flugverlauf und die Absturzstelle im Detail darstellen.

Handgezeichnete Karte

Zeugenaussagen

Ogfr. Hermann Kirst (Zeuge 1) beschreibt später, wie er alles aus 300 Metern Entfernung zu einer Flakbatterie beobachtet hat:
“Ich sah, wie der viermotorige Bomber nach dem ersten Beschuss zu brennen begann. Er flog immer niedriger, machte eine scharfe Linkskurve und verschwand dann hinter dem Horizont. Kurz darauf stieg eine schwarze Rauchwolke auf.“

Stabsarzt Dr. Vyslougil (Zeuge 2):
“Am 7. Oktober 1944 gegen 15:17 Uhr sah ich, wie die leichte Flak bei der Mühle in Pannerden eine viermotorige Maschine traf, die anschließend in der Nähe abstürzte.“

Ofw. Luider (Zeuge 3):
“Ich habe gesehen, dass der I. Zug 6-598 um 15:28 Uhr eine Fortress beschoss und traf. Das Flugzeug machte daraufhin eine Linkskurve und stürzte ab, nachdem einige Besatzungsmitglieder abgesprungen waren. Die Schüsse waren gut gezielt.“

Die fünf Besatzungsmitglieder, die mit ihren Fallschirmen entkamen, wurden kurz nach dem Absturz gefangen genommen. Über das Schicksal der übrigen Besatzung bleibt Unklarheit.

Der siebte Sieg der Division

Am 16. Oktober 1944 wird das Ereignis offiziell bestätigt. Der Abschuss dieser Fortress wird als der siebte Erfolg der Division registriert. Die Dokumente werden an das Oberkommando der Luftwaffe weitergeleitet, wo dieser Sieg in die offiziellen Aufzeichnungen aufgenommen wird.

Quelle:

© Bundesarchiv Freiburg